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Beobachtungsspaß zum fairen Preis
Das Dobson-Teleskop GSO 880
von Michael Hoppe
(veröffentlicht in Sterne und Weltraum 11/2003, S. 70 ff.)
(Abbildung: GSO Newton - vormals GSO Dobson - mit Rohrschellen und Leitrohr Pronto auf einer WAM 330 CC Montierung)
Das Terrain der beliebten Dobson-Teleskope haben fernöstliche Firmen wie Guang Sheng Optics (GSO) mit qualitativ hochwertigen Metalltuben und einer
guten Spiegelqualität bereichert. Die neueste GSO Produktpalette umfasst Dobson-Teleskope mit Spiegeldurchmesser von bis zu 300mm. Hier wird die 250-mm-Version vorgestellt.
Dobson-Teleskope sind unter denjenigen Sternfreunden, die keinen Wert auf eine parallaktische Montierung legen, sehr beliebt. Wer keine Deep-Sky-Astrofotografie
betreiben will, dem bietet ein “Dobson” die Möglichkeit, ein für die visuelle Beobachtung geeignetes Teleskop großer Öffnung preiswert zu erwerben.
Letztlich habe ich mich für den GSO Dobson mit der Typenbezeichnung GSO 880 entschieden, den ich “unter die Lupe” genommen habe. Die freie Öffnung des Instruments beträgt 250 mm, die Brennweite 1.250mm.
Verpackung und Lieferung
Mein persönliches “Dobson-Projekt” begann mit der Lieferung zweier Pakete mit den Maßen 64 x 64 x 13 cm (Montierung) und 139 x 48 x 46 cm (Newton). Das
Gewicht incl. Verpackung lag bei 14 bzw. 24 kg. Mit fast weihnachtlicher Freude ging es an das Auspacken - und siehe da, alles war wirklich gut verpackt und heil
angekommen. Die kostbare Optik war stoßsicher durch vier Styropor-Rohrschellen fixiert.
Die große Überraschung war für mich die für diese günstige Teleskopklasse gute Mechanik und Verarbeitung. Immerhin gilt der 200mm-GSO-Dobson als
Einsteigergerät. Diese Einstufung ist meiner Meinung nach jedoch eine Unterbewertung. Entgegen dem früheren Trend bei günstigen Dobson-Teleskopen sind viele Teile aus Metall; Kunststoff ist seltener vertreten.
Die Fangspiegelspinne, die aus vier dünnen, aber stabilen Metallstreben besteht, macht einen guten Eindruck. Gut gefällt mir auch der gut gefasste und nicht
geklebte Fangspiegel. Dieser hat 64mm Durchmesser (kleine Achse) und verursacht eine Obstruktion von 25%. Die Hauptspiegel-Fassung ist auch nicht zu
beanstanden, vier Halteklemmen halten den Hauptspiegel, und jeweils drei Zug- bzw. Druckschrauben sorgen für eine gute Justierbarkeit. Nachteilig ist einzig die
den Tubus abschließende Metallplatte, welche einen schnellen Luftaustausch an dieser Stelle verhindert. Dieses Problem wurde jedoch schon erkannt, denn bei
der neuesten Version des Teleskops (2003) sorgt eine kreuzförmige Struktur für Luftzirkulation um den Hauptspiegel. Interessant ist auch der Einbau von PC-Lüftern der das “Tubusseeing” verbessern kann (1).
Der große 60mm Okularauszug (OAZ) mit Adapter auf 50,8mm (2 Zoll) bzw. 31,8mm (1 ¼ Zoll) ist aufgrund von drei Teflon-Gleitlagern sehr leichtgängig und
hat kein Spiel. Nachteilig sind nur die (leider) allgemein üblichen kleinen Rändelschrauben, die bei der Klemmung von schwerem Zubehör ein leichtes
Unbehagen aufkommen lassen. Zur Grundausstattung gehört auch ein großer 8 x 50 Sucher. Der Lagerblock des Suchers besteht jedoch - ausnahmsweise beim GS
880 - aus Kunststoff im Metalllook. Bei der Klemmung des Suchers muss also vorsichtig vorgegangen werden. Ein Austausch gegen einen Lagerblock aus
Metall ist zu empfehlen. Gut hingegen ist die grobe Klemmung des Suchers per Stift mit Feder und die Feinjustierung über zwei Justierschrauben.
Die Verwendung von viel Metall hat natürlich auch einen Nachteil: Das Gewicht des Tubus liegt bei stattlichen 14 kg. Der Tubusdurchmesser liegt bei 31 cm. Mit
jeweils 3 cm Abstand Spiegel und Tubus ist somit mehr als genug Platz vorhanden, um einer Abblendung des Hauptspiegels vorzubeugen. Zur weiteren
Reduzierung von Streulicht wäre sogar der Einbau einer Blende im Tubus möglich. Die Innenfarbe des Tubus ist matt-schwarz und zeigt bei direkter
Beleuchtung leichte Reflexe, eine Auskleidung mit Velours-Folie dürfte hier noch Vorteile (Kontrast) bringen.
Ein Optiktest ist von dem Lieferanten meiner Optik (Teleskop-Service
) standardmäßig durchgeführt worden. Einige Händler bieten diesen Service ab
einer bestimmten Preisgrenze ohne weitere Kosten an. Diese Auswertung (Ronchi, künstlicher Stern) offenbarte bei meiner Optik keine Auffälligkeiten. Der
Strehlwert wurde nicht ermittelt, lt. Händlerangaben soll er jedoch besser als 0,94 sein.
Das Spiegelmaterial ist in meinem Fall BK-7, es ist aber auch “Suprax” von Schott und mittlerweile auch “Low-Expansion” lieferbar. Für die Qualität einer Optik ist
jedoch das Spiegelmaterial zunächst sekundär, allerdings - und das ist nicht unwichtig - ist z. B. bei einem BK-7 Spiegel mit einer wesentlich längeren Auskühlzeit zu rechnen.
Nach der ersten Begutachtung der Optik und Mechanik habe ich mich an den Zusammenbau der Rockerbox gewagt. Diese einfache azimutale Montierung macht
aus der Kombination mit der Optik erst einen richtigen “Dobson”. Die Aufbauanleitung zur Rockerbox ist eher minimalistisch. Beim Zusammenbau sind
daher Erfahrungen beim Zusammenbau von Möbeln eines Möbeldiscounters sehr hilfreich. Insgesamt war jedoch der Zusammenbau in ca. 30 Minuten erledigt, eine
gute Samstagsbeschäftigung. Nette Details runden auch hier die Sache ab, z. B. gibt es einen Tragegriff und eine stabile Okularablage.
Wichtig ist es, den Justierzustand der Optik zu überprüfen. Leider war dieser in meinem Fall nicht optimal. Als erstes ist zu prüfen, ob die Fangspiegelausrichtung
Richtung Okularauszug stimmig ist. Dies sollte jedoch regelmäßig der Fall sein. In meinem Fall zeigte der Fangspiegel jedoch erstaunlicherweise nicht richtig zum
Hauptspiegel und musste daher ausgerichtet werden. Sehr hilfreich für das weitere Verfahren ist die Anbringung einer Mittenmarkierung, bewährt haben sich
hierfür Lochverstärker. Diese Prozedur, die ich selbst durchgeführt habe, übernehmen jedoch auf Wunsch auch einige Händler. Schwierig ist hierbei nur
eine Konstruktion zur genauen Festlegung der Spiegelmitte. Danach geht es am besten per Justierlaser weiter. Eine gute Anleitung ist in der Fachliteratur zu finden (2).
Das Teleskop in der Praxis
Die Auskühlzeit des Spiegelmaterials meiner Optik beträgt mindestens 45 bis 60 Minuten. Es empfiehlt sich daher, die Optik bereits an einem geeigneten Platz vorzukühlen.
In der Praxis zeigte sich, dass die Feinbewegung in Azimut - im Gegensatz zur leichtgängigen Höheneinstellung - schwergängig reagiert. Die Höheneinstellung
blieb leider zunächst nur bei Verwendung von 2-Zoll-Okularen erhalten. Mit 1 ¼-Zoll-Okularen machte sich ein Ungleichgewicht bemerkbar. Tipp: Ich empfehle daher als Gewichtsausgleich Reinigungsmagneten aus dem
Aquariumszubehörhandel zu verwenden. Auch mit schwerem Zubehör (z. B. mit meinem 2-Zoll TeleVue-Widefield-Okular, f = 40mm) bleibt dann die Optik in der
eingestellten Position. Für meinen Geschmack ist das Teleskop bei Verwendung eines 9-mm-Nagler-Okulars (140fach) noch gut nachzuführen, die Verdopplung der
Vergrößerung mit dem Pentax XL 5,2 (f = 5,2mm, Vergrößerung 240fach) erfordert jedoch schon eine gewisse Übung. Ein Einsteiger sollte zunächst mit schwachen
Vergrößerungen üben und sich erst im Laufe der Zeit an höhere Vergrößerungen mit der Handnachführung wagen. Wer später an eine parallaktische Montierung
denkt, der kann natürlich alternativ die Optik später als Newton auf einer parallaktischen Montierung verwenden, Rohrschellen sind hierfür lieferbar.
Ein Test hinsichtlich des Ausschwingverhaltens zeigte, dass drei bis vier Sekunden nach einer stärkeren Erschütterung die Nachwirkungen abgeklungen sind.
Mond- und Planetenbeobachtung
Als erste Beobachtungsobjekte standen in einer bitterkalten Nacht unser Mond, Saturn und Jupiter auf dem Programm.
Zum Einsatz kamen das im Lieferumfang enthaltene 25-mm-Plössl-Okular (50fach, AP 5,0), ein 9-mm-Plössl-Okular (139fach, AP 1,8mm) mit Mondfilter (grün). Ferner
mein eigenes Zubehör u.a. ein 32mm-TS-SWA-Okular (39fach, AP= 6,4), ein 16-mm-Nagler-Okular (78fach, AP=3,2), ein 9-mm-Nagler-Okular (139fach, AP=1,8) sowie das Pentax-XL-5,2mm Okular (240fach, AP=1,0).
Die beiden im Lieferumfang enthaltenen Plössl-Okulare lieferten eine gute Abbildungsleistung und auch eine fast randscharfe Abbildung. Als nachteilig
erwies sich jedoch der ungünstige (knappe) Augenabstand bei den Okularen. Dieser ist beim 25-mm-Plössl-Okular noch tolerierbar, führt aber beim 9mm Plössl
zu einem Verschmieren der Augenlinse mit den Wimpern. Trotzdem halte ich die Okulare, die letztlich nur eine kleine Zugabe darstellen, für erste Versuche absolut
geeignet. Nicht zu empfehlen ist das beigefügte Mondfilter, dass den Mond flaschengrün erscheinen lässt und darüber hinaus das Auflösungsvermögen der Optik herabsetzt.
Mondregionen
Der Mondkrater “Pictatus” mit seinem Zentralberg, welcher etwas vom Zentrum versetzt erscheint, war mit dem 9-mm-Nagler gut zu beobachten. Aber auch
weitere, kleinere Erhebungen und das Rillensystem auf dem Kraterboden waren gut zu erkennen.
“Rupes Recta”, die “Lange Wand”, war schon im SWA 32mm zu erkennen. Das eigentliche Highlight war jedoch die Sichtung einer weiteren benachbarten Rille,
der “Rima Birt”. Ausgehend vom Krater “Birt” konnte mit dem Pentax XL 5,2mm bei 240-facher Vergrößerung die Rima Birt blickweise gut beobachtet werden.
Die beim Krater “Davy A” beginnende schöne Kraterkette “Catena Davy”, die sich über eine Länge von ca. 50 Kilometern erstrecken, war gut zu beobachten (3).
Saturn
Neben Titan konnten die Saturnmonde Rhea, Dione und Tethys einwandfrei identifiziert werden. Auf der Saturnkugel konnte ich die “Bauchbinde” und auch
die Polkappe gut beobachten. Natürlich waren auch die Helligkeitsunterschiede von Ring A und B und die Cassinische Teilung umlaufend um die Saturnkugel sichtbar.
Jupiter
Der Riesenplanet präsentierte sich mit einer Vielzahl von Wolkenbändern und Strukturen in den Bändern. Besonders faszinierten mich die “Girlanden”, von
denen ich mehrere gut beobachten konnte. Mit dem Pentax XL 5,2mm wurden auch die Galileiischen Monde zu kleinen flächigen Scheibchen, ein schöner Anblick!
Deep-Sky-Beobachtungen
Eine freie Öffnung von 250mm eröffnet gerade im Deep-Sky-Bereich viele Möglichkeiten, hier daher nur eine kleine Auswahl. Beobachtet wurde unter
Vorstadt- bzw. Landhimmelbedingungen bei einer Grenzgröße von ca. 5,3 bis 5,5 mag. Die einfache Handhabung und Aufstellung erlaubt einen Transport des
Instruments zu noch dunkleren und transparenteren Beobachtungsplätzen. Gut geeignet ist das Instrument aufgrund seiner großen Öffnung auch für Beobachtungen mit Linienfiltern (O III und H ß).
NGC 2392 (Eskimonebel)
Der planetarische Nebel fällt bereits im SWA 32mm Okular als helles rundliches Gebilde auf. Mit dem 9-mm-Nagler- bzw. Pentax-XL-5,2-mm-Okular kann der
planetarische Nebel direkt und indirekt gesehen werden, auch der Zentralstern ist direkt beobachtbar. Zarte dunklere Bereiche im Nebel werden bei längerer
Betrachtung auch sichtbar. Durch ein OIII Filter erscheint der Nebel heller, aber nicht strukturreicher, dafür verschwindet der Zentralstern.
Abell 21 (Medusa-Nebel)
In der Nähe von Lambda Gemini befindet sich dieser sehr schwache Nebel. Mit dem SWA-32-mm-Okular und O-III-Filter ist das Objekt zunächst nur durch
Field-sweeping vollständig indirekt erfassbar. Bei längerer Betrachtung erscheint das etwa 1/5 des Gesichtfeldes füllende großflächige Objekt als halbmondförmige
Struktur. Ohne Filter ist der Nebel nicht zu erkennen.
NGC 2237-9 (Rosettennebel)
Selbst ohne Filter sind die hellsten Teile des Nebels sichtbar, mit SWA-32-mm-Okular und O-III-Filter ist der Rosettennebel ein faszinierendes
Gebilde das jedoch nur abgefahren werden kann. Die Nebelgrenzen sind teilweise gut abgegrenzt und teilweise auch ließend.
M 35 und NGC 2158
Einen hübschen Anblick bieten die beiden offenen Sternhaufen im SWA-32-mm-Okular. Beide Sternhaufen nehmen etwa 2/3 des Gesichtsfeldes ein.
Mit dem 16-mm-Nagler-Okular sind beide Objekte noch im Gesichtsfeld und auch der weiter entfernte alte Sternhaufen (NGC 2158) zeigt ein “Glimmen” von vielen schwachen Sternen.
M 51 + NGC 5195 (Whirlpool-Galaxie)
Die helle Whirlpool-Galaxie ist eine Augenweide. Indirekt ist mit dem 16- und 9-mm-Nagler-Okular die Spiralstruktur sichtbar und auch der Gezeitenarm zur Nachbargalaxie (NGC 5195) ist erkennbar.
NGC 4565
Mit dem 9-mm-Nagler-Okular erstreckt sich diese schöne langgezogene Spindel über gut 1/3 des Gesichtfeldes. Der Bulge und auch der Staubstreifen dieser Edge-On-Galaxie sind sichtbar.
Astrofotografie
Bei der Astrofotografie mit einem Dobson-Teleskop treten Probleme auf, da die Dobson-Montierung für die Deep-Sky-Fotografie ungeeignet ist. Als Zubehör sind
jedoch Rohrschellen für den GSO-Dobson lieferbar. Hiermit kann der Newton auf einer parallaktischen Montierung benutzt werden. Die seitlich am Teleskop
angebrachten Höhenräder können bei der Befestigung der Rohrschellen stören. Aufgrund des Öffnungsverhältnisses des GSO von f/5 ist es für die
Deep-Sky-Fotografie erforderlich, einen Komakorrektor zu verwenden. Hier zeigt sich das eigentliche Problem: Der leichtgängige Okularauszug bietet einen zu
geringen intrafokalen Weg für einen Kamera mit Komakorrektor, d.h. Astrofotografie mit Komakorrektor scheidet aus. Wer einen Umbau (z. B.
Austausch des Okularauszugs) nicht scheut, kann natürlich auch dieses Problem lösen.
Fazit
Das GS 880 ist ein schönes Instrument, dass viel Beobachtungsspaß bietet. Die Optik und Mechanik ist zumindest für den Preis von 698 Euro ausgezeichnet und
bietet viele Beobachtungsmöglichkeiten. Wer die kleinen Nachteile in Kauf nimmt, erhält ein wirklich gutes Beobachtungsinstrument mit einer stattlichen Öffnung von 250mm.
Literaturhinweise:
(1) Fernrohrseeing verhindern - gewusst wie!, B. Weisheit, SuW 4/2003, S. 79 ff.
(2) Newton-Kollimation in drei Schritten, Interstellarum 24/2002, S. 62 ff.
(3) Mondatlas, A. Rükl, Verlag Werner Dausien
(4) Atlas für Himmelsbeobachter, Erich Karkoschka, Franckh-Kosmos Verlags-GmbH
(5) The Night Sky Observer`s Guide, Volume 2, Kepple & Sanner
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