|
Galaxienfotografie am Südhimmel mit 600mm Brennweite
von Michael Hoppe
(veröffentlicht im VdS Journal für Astronomie, I/2003, Ausgabe 10, S. 44 ff.)
Die fortschreitende Entwicklung der analogen
und digitalen Astrofotografie ermöglicht heute den ambitionierten Astrofotografen hervorragende Astroaufnahmen. Meist wird für die Galaxienfotografie eine “lange”
Teleskopbrennweite benutzt, um die Galaxien in einem hochauflösenden Maßstab darstellen zu können. Die neueste Filmgeneration ermöglicht jedoch auch schon sehr gute und detaillierte Aufnahmen mit kürzeren Brennweiten. Einige Beispiele hierfür, jenseits von Andromedanebel (M 31) und Co, wurden mit einem Vixen ED 114 SS Refraktor mit 600mm Brennweite gewonnen und sollen hier vorgestellt werden.
Da
es sich bei Galaxien um “Kontinuumsstrahler” handelt, die nahezu keine bevorzugten Emisionslinien zeigen, ist für die Fotografie ein Film zu empfehlen, der den gesamten Spektralbereich gut abdeckt. Leider gibt es eine solche Emulsion derzeit nicht, vielleicht mit Ausnahme des Fuji Provia 400 F, der recht erfolgversprechend sein soll (1). “Komposit-Aufnahmen” können hier ein wenig für Abhilfe sorgen. Gleichwohl ist derzeit der Kodak E 200 Prof. einer der besten Diafilme für die Astrofotografie, insbesondere seine Rotempfindlichkeit ist beeindruckend. Dies zeichnet die Emulsion natürlich insbesondere für die Fotografie von Gasnebeln aus. Dies ist auch für die Galaxienfotografie insoweit interessant, als z.B. H II Emissionsgebiete recht gut erfaßt werden können. Besonders hervorzuheben sind auch - für einen Diafilm ungewöhnlich - die relativ weiche Wiedergabe von Details und sein feines Korn, d.h. entsprechende Nachvergrößerungen sind somit gut möglich.
Eine Astroexkursion im Mai/Juni 2002 führte mich
nach Namibia zur Farm Tivoli. Dieser Standort erwies sich sowohl von der Infrastruktur (kurze Wege zum Aufenthaltsraum, Betonplatte für die Instrumente, Netzstrom) als auch von der Unterbringung
und Verpflegung als ideal. Der Familie Schreiber sei an dieser Stelle nochmals herzlich gedankt. Als Instrument war u.a. ein Vixen ED 114 SS im Astrogepäck, ein ED-Apochromat (114/600mm) mit sehr guten
Abbildungseigenschaften. Die lichtstarke f/5.3 Optik ermöglicht gut durchbelichtete Aufnahmen bei noch erträglichen Belichtungszeiten (30 - 45 Minuten). Hauptschwerpunkt der Astrofotografie bei dieser Exkursion waren u.a. die großen H II Emissionsgebiete und Kugelsternhaufen insbesondere im Bereich der Sternbilder Carina, Ara und Scorpius, aber auch einige Galaxien des Südhimmels wurden auf Film gebannt.
Nach vorherigem Studium einschlägiger Atlanten (2,
3) wurden die
fotografisch interessantesten Objekte für den Refraktor ausgewählt. Letztlich war es bei den Galaxien dennoch überraschend, wie viele gut erkennbaren Strukturen (u.a. Spiralarme, H II Regionen) auf den Aufnahmen mit dieser “kurzen” Brennweite zu erkennen waren. Sehr detailliert präsentierten sich natürlich die Magellanschen Wolken (SMC + LMC) die eine Vielzahl von H II Regionen und Sternhaufen zeigten. Auch
NGC 253, die “große Sculptorgalaxie”, offenbarte schon mit 580mm Brennweite ihre Spiralstruktur und
eine Fülle weiterer Details (4). Natürlich ist die Anzahl der lohnenswerten Galaxien bei einer Brennweite von
600mm beschränkt, trotzdem konnte eine nennenswerte Anzahl an Galaxien erfolgreich aufgenommen werden. Hierzu zählen u.a. M 83, NGC 5128, NGC 4945, NGC 6744, NGC 6822 usw..
In
heimischen Gefilden fand dann die Auswertung der Aufnahmen statt. Seit geraumer Zeit hat jedoch bei mir die gute alte Dunkelkammer ausgedient und daher wurden die Aufnahmen zunächst per KB-Scanner digitalisiert. Hierfür kam der bewährte Canoscan FS 2710 zum Einsatz, die Scanner-Software von Canon erlaubt dabei recht gute Scan-Voreinstellungen. Die Endbearbeitung erfolgt dann mit Photoshop, einem professionellen Bildbearbeitungsprogramm mit umfangreichen Möglichkeiten.
Kleine Magellansche Wolke (SMC/NGC 292) - Tucana -
Die vom Namensgeber um 1500 entdeckte Nachbargalaxie unserer Milchstraße ist nur etwa
200.000 Lichtjahre entfernt und hat einen linearen Durchmesser von 10.000 Lichtjahren. Die scheinbare Größe am Himmel ist daher mit 3° x 2,5° recht stattlich (6). Aufgrund der geringen Entfernung ist die
SMC visuell und fotografisch eine wahre Fundgrube u.a. an Emissionsnebeln und Sternhaufen. Ferner ziehen die unmittelbarer Nähe befindlichen beiden Kugelsternhaufen 47 Tuc und NGC 362, die jedoch
zu unserer Milchstraße gehören, die Blicke auf sich. Die abgedruckte Aufnahme zeigt jedoch nur die SMC selbst.
M 83 (NGC 5236) - Hydra -
Die große Balkenspirale (Sc oder SABc), die 1751 durch Lacaille entdeckt wurde, hat eine scheinbare
Größe von 8` x 7` bei einer Helligkeit von 8 mag. Die Entfernung soll 18 Mio Lichtjahre betragen und der lineare Durchmesser 40.000 Lichjahre (5). In Namibia ist M 83 eine Galaxie, die
auch visuell im ED 114 SS Spiralstruktur zeigte. Die Fotografie zeigt darüberhinaus Sternhaufen und Emissionsnebel, ein wirkliches Highlight des Südhimmels.
NGC 4945/4945a - Centaurus -
In unmittelbarer Nachbarschaft von dem größten Kugelsternhaufens des Himmels, Omega Centauri,
findet man die schöne Edge-On Galaxie NGC 4945 mit ihrem Begleiter NGC 4945a. Die Galaxie befindet sich in einer Entfernung von ca. 20 Mio Lichtjahren und die
scheinbare Größe beträgt 10` x 1,5` bei einer Helligkeit von 8,4 mag (6).
NGC 5128 - Centaurus -
Die ungewöhnliche Galaxie NGC 5128 (Centaurus A) ist
ein rundliches Gebilde, das von einem spektakulären, leicht sichtbaren Staubband geteilt wird. Die Galaxie hat am Himmel eine Ausdehnung von 10`x 8` bei einer
Helligkeit von 6,8 mag. Die Entfernung wird ebenfalls mit 20 Millionen Lichtjahren angegeben.
NGC 6822 - Sagittarius -
Die Irreguläre Galaxie, die 1884 von Edward Emerson Barnard entdeckt wurde, ist auch als “Barnards Galaxy” bekannt und gehört mit einer Entfernung von 2 Mio
Lichtjahren zu den Galaxien in unserer Nachbarschaft (“Lokale Gruppe”). Die scheinbare Größe beträgt 10` x 7` bei einer Helligkeit von 9,2 mag (6). Bei NGC 6822
handelt es sich um eine Zwerggalaxie, die fotografisch mit dem ED 114 SS auch Emissionsnebel und Gasblasen zeigt.
Erstaunlich ist, welche Details schon mit 600mm abgebildet werden können, zumal vor einigen Jahren Galaxienfotografie in Farbe nur mit recht grobkörnigen
Emulsionen (z.B. Agfachrome 1000, Scotchchrome 400) oder mit langen Belichtungszeiten möglich war. In Anbetracht der Vielzahl der Objekte am Süd- und
am Nordhimmel und der heutigen technischen Möglichkeiten findet der Sternfreund ein reichhaltiges Betätigungsfeld, insbesondere eben auch für kürzere Brennweiten von 500 bis 800mm.
Ich hoffe, dass die Aufnahmen auch andere Fotografen ermutigen, sich mit kleineren Brennweiten an Galaxien zu versuchen. Viel Erfolg + Clear Skies!
Literaturhinweise:
(1) Aktuelle Filme für die Astrophotographie, Jens Moser, SuW 8/2002, S. 68 ff.
(2) Uranometria 2000.0 + Deep-Sky Field Guide, Tirion, Rappaport, Lovi
(3) The Night Sky Observer`s Guide, Volume 2, Spring & Summer, Kepple & Sanner
(4) Die große Sculptorgalaxie NGC 253, VdS Journal für Astronomie, I / 2002
(5) Praxis der Astronomie, Agnes Acker, Birkhäuser/Springer Verlag
(6) Deep-Sky Reiseführer, Ronald Stoyan, Oculum Verlag
|