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Astronomie unter dem Pico del Teide
von Michael Hoppe, Michael Schlünder und Christian Hackmann
(veröffentlicht in Sterne und Weltraum 3/2001, Seite 280 ff.)
Teneriffa, die größte Insel des kanarischen Archipels auf 28° nördlicher Breite ist in vier Flugstunden bequem zu erreichen. Mit Beobachtungsmöglichkeiten in
mehr als 2.000 m Höhe bietet sie sich als Astroreiseziel an. Auch umfangreiches Equipment kann mitgenommen werden. Im folgenden stellen wir die Ergebnisse
und Erlebnisse anlässlich unserer Exkursion nach Teneriffa im Jahre 1999 vor.
Nach reiflicher Überlegung wurde Teneriffa der Vorzug gegeben. Nach dem Studium der einschlägigen Reiseprospekte gefiel uns (Holger Filling, Peter
Stolzen und den Autoren) das Angebot einer Finca in ”La Esperanza” in immerhin 900 m Höhe über NN. Diese Finca, im nördlichen Teil der Insel oberhalb von der
Universitätsstadt “La Laguna” gelegen, befindet sich landschaftlich reizvoll in der Nähe des La Esperanza Waldes. Leider war eine astronomische Betätigung an
dieser Stelle - insbesondere die Beobachtung von Deep-Sky Objekten - wegen der lokalen Beleuchtungsverhältnisse und der Lichterkuppeln von “La Laguna” und
der Hauptstadt “Santa Cruz” nicht möglich. Jedoch hatte wir schon vornherein als Beobachtungsplatz das Naturschutzgebiet “Las Canadas” oberhalb von 2.000 m
ausgesucht und daher bereits von Deutschland aus einen Mietwagen gebucht.
Unser 230 kg schweres Reisegepäck, überwiegend astronomische Gerätschaften, kam unbeschadet auf der Sonneninsel Teneriffa an. Als größter Vorteil erwies sich
die sogenannte “LTU-CARD”, die uns bei dieser Fluglinie ein Freigepäck von 30 kg pro Person ermöglichte. Unser Astrogepäck bestand aus einem Starfire 130 EDF
(130/780mm) der zusammen mit einem TeleVue Pronto (70/480mm) und einem Semi Apo Triplett (100/600mm) von einer Losmandy G 11 Montierung getragen
wurde, sowie einem Vixen Newtonteleskop R 200 SS (200/800mm) auf einer GP-DX Montierung von Vixen. Die Nachführung erfolgte jeweils mit einem Vixen
Multi 80 S (80/400mm) nebst Nachführansatz GA 4. Hinzu kamen diverse Kleinbild- und Mittelformatkameras (Pentacon Six) und diverse Objektive.
Wie die Insel Teneriffa (Tenerife bedeutet schneebedeckter Berg) zu ihrem Namen gekommen ist, konnten wir schon beim Landeanflug feststellen. Aus den
Passatwolken schaute nämlich der höchste Berg Spaniens, der schneebedeckte “Pico del Teide” mit 3.718 m, hervor. Der vulkanische Ursprung Teneriffas wurde
bereits hier deutlich. Der Pico del Teide ist der Kegel eines erloschenen Vulkans. Er erhebt sich über einem Kraterwall mit Höhen bis zu 2.717 m. Zu unsere großen
Freude konnten wir sogar feststellen, dass unser anvisierten Beobachtungsplatz, die “Las Canadas”, die Caldera des ehemaligen Urvulkans, frei von Wolken war.
Die erste Fahrt zum Beobachtungsplatz begann am nächsten Tag jedoch alles andere als ermutigend. Wir starteten bei bedecktem Himmel in leichtem Regen
und selbst auf Höhe des Observatoriums “Izana” (welches selbst nicht zu sehen war) waren keine Wolkenlücken zu erkennen. Dafür hatten wir jedoch zeitweise
einen Blick auf Schneefelder! Trotzdem setzten wir unsere Fahrt Richtung “Las Canadas” unbeirrt weiter fort. Und tatsächlich hatten wir Glück, denn die
Wolkendecke riss auf. Einen traumhaften schönen Beobachtungsplatz entdecken wir dann in der Nähe der “Los Roques”. Diese bizarren und fotogenen
Felsformationen sind die nicht eingesunkenen Überreste des Urvulkans. Hier, wo tagsüber die Touristenmassen zu finden sind, stellte sich bei Sonnenuntergang Ruhe ein und die Nacht brach über uns herein.
Als erstes waren die hellsten Sterne der bekannten Wintersternbilder, jedoch in ungewohnter Höhe über
dem Horizont, zu erkennen. Danach folgten bald die hellsten Teile der Wintermilchstraße, die man später als markantes Band bis zum Horizont verfolgen konnte. Schnell wurde die Justierung der
Montierungen vorgenommen. Endlich kam der Zeitpunkt für die ersten visuellen Beobachtungen. Auch die ersten Himmelsaufnahmen wurden schon belichtet.
Die Nacht erwies sich als sehr kalt. Und was noch bedeutender war unser traumhaft schöner Beobachtungsplatz stellte sich als nicht sehr windgeschützt
heraus. In den folgenden Nächten suchten wir daher verschiedene Beobachtungsplätze auf, z.B. in “Llano de Ucana”, und fanden für die
verschiedenen Beobachtungsziele unterschiedlich gut geeignete Plätze. Der in vielen Nächten auffrischende Wind blieb jedoch ein Problem. Er erschwerte
insbesondere die Fotografie erheblich und machte sie zeitweise sogar unmöglich.
Für horizontnahe Beobachtungen stellten sich Plätze in der Nähe des Observatoriums Izana und der Straße C 821 Richtung Westküste als sehr gut
heraus. Das Kreuz des Südens war hier vollständig sichtbar. Andere tiefstehende Objekte wie der Kugelsternhaufen Omega Centauri oder die Galaxie Centaurus A
konnten wir hier visuell beobachten und auch fotografieren. In der zweiten Woche fanden wir dann abseits der Gratstraße C 824 einen guten Beobachtungsplatz, der
zwar unsere Horizontsicht einschränkte, dafür jedoch einen guten Windschutz bot. Es kann daher nur empfohlen werden, auch mal den ein oder andere Abstecher
auf die abzweigenden Schotterpisten zu wagen!
Astrofotografie
Als Astroemulsionen wurden hauptsächlich der bewährte Kodacolor Pro Gold 400 (Negativ) sowie der Kodak Panther 1600 (Dia) eingesetzt. Der Pro Gold 400 bewies
wieder einmal seine sehr gute Empfindlichkeit im blauen wie auch im roten Spektralbereich. Der Schwarzschildeffekt kann bei Verwendung des Pro Gold 400
vernachlässigt werden, da sein Schwarzschildexponent nahezu den Wert 1 besitzt. Daher ist auch eine Hypersensibilisierung nicht erforderlich.
Sehr gute Erfahrungen machten wir auch mit dem “Pushen” dieses Films um eine Blende. Das heißt, der Film wurde statt auf 400 ASA auf 800 ASA entwickelt.
Negative Begleiterscheinungen, etwa erheblich gröberes Filmkorn, konnten wir nicht feststellen. Als problematischer erwies sich jedoch die Herstellung von
Farbvergrößerungen wie auch von Dias. Abzüge und Dias hatten meistens einen Farbstich und daher war viel Geduld im Labor notwendig. Die Herstellung von
neutralen Dias erforderte wegen der unterschiedlichen Dichte eine genau auf das einzelne Negativ abgestimmte Filterung und war somit mit einem erheblichen
Aufwand verbunden. Anders verhielt es sich beim Kodak Panther 1600. Dieser Farbdiafilm war erheblich einfacher zu bearbeiten. Dieser Film kann auf drei
Empfindlichkeiten entwickelt werden und zwar auf 800, 1600 und 3200 ASA, wobei sich die Entwicklung auf 1600 ASA als am besten erwies. Nachteilig wirkte sich
jedoch der größere Kontrast des Diafilms aus - so brannten helle Stellen heller Objekte aus (z.B. der Kernbereich von Omega Centauri). Überraschend war jedoch
die Blauempfindlichkeit der 99er Version des Kodak Panthers. Sie ist zwar etwas geringer als jene des Pro Gold, jedoch durchaus zufriedenstellend.
Für Strichspuraufnahmen fand der Kodak Elite Chrome 100 (früher Ektachrome HC) Verwendung, dessen aktuelle Emulsion jedoch nachteilig verändert worden
ist. Unsere Aufnahmen zeigten einen extremen Grünstich. Daher war es erforderlich, die Aufnahmen nochmals umzukopieren und entsprechend zu filtern.
Leider wird auch der Pro Gold 400 nicht mehr hergestellt und daher sollte an dieser Stelle nicht unerwähnt bleiben, dass es sich für einen Astrofotografen
empfiehlt, von jeder geeigneten Astroemulsion eine Reserve anzulegen, die im Tiefkühlfach aufbewahrt werden sollte, wenn keine baldige Verwendung geplant
ist. Diese Behandlung hat sich als unschädlich für diverse Emulsionen erwiesen und ermöglicht in einem gewissen Rahmen auch eine Verwendung über das Verfallsdatum hinaus.
Visuelle Beobachtung
Für die visuelle Beobachtung wurde u.a. das Vixen R 200 SS (Newton 200/800mm) verwendet. Bei einer phantastischen Grenzgröße, jedoch leider bei schlechtem
Seeing, wurde ein “Deep-Sky-Marathon” celebriert, wobei Dutzende von Objekten beobachtet wurden vom Nordamerikanebel bis zum Ghost of Jupiter. Die
Beobachtungen einiger Objekte werden im folgenden beschrieben:
Pferdekopfnebel (B 33)
(LV 30mm Okular, Austrittspupille - AP - 7,5, H ß und O III Filter)
Mit H-ß Filter war der Emissionsnebel IC 434 als blassgraues Nebelband zwischen Sigma und Zeta Orionis sofort zu erkennen, aber auch der Flammennebel (NGC
2024) nördlich von Zeta Orionis zeigte sich mit Strukturen. Der Pferdekopfnebel konnte als dunkle Lücke in IC 434 zunächst nur indirekt, bei einer späteren
Beobachtung auch direkt, beobachtet werden. Kurios erschien es uns, dass der Flammennebel ohne Filter deutlicher zu erkennen war als mit einem H ß oder O III
Filter. Ferner waren die Reflexionsnebel NGC 2023 und IC 435 bei der filterlosen Beobachtung zu erkennen.
Eagle Nebel (IC 2177)
(LV 30mm, AP = 7,5, O III Filter)
Diese schwache H II Region, die sich in der Wintermilchstraße nordöstlich von Sirius befindet, ist eher von langbelichteten Aufnahmen als von der visuellen
Beobachtung bekannt. Trotzdem lohnt es sich, diesen Nebel mit großem Gesichtsfeld und einem O III Filter bei guten Beobachtungsbedingungen
aufzustöbern. Die Nebelregion erschien als großer, in Nord-Süd-Richtung elongierter Nebelbogen, der bei einer Ausdehnung von weit über zwei Grad zwar
nicht mehr ins Gesichtsfeld passte, aber gut “abgefahren” werden konnte. Der Nebel zeigte jedoch nur geringen Kontrast zum sternreichen Feld und keine
Strukturen. Im Süden des Nebelbogens war die H II Region Cederblad 90 als schwacher, kleiner Nebelfleck zu erkennen.
Californianebel (NGC 1499)
(LV 30mm, AP = 7,5, H ß Filter)
Obgleich der Californianebel jedem Amateurastronomen von Astrofotos geläufig sein dürfte, stellt seine visuelle Sichtung etwas besonderes dar. Für die
Beobachtung gelten die gleichen Grundsätze wie für die Beobachtung des Pferdekopfnebels: Großes Gesichtsfeld, große AP, H ß Interferenzfilter und gute
Beobachtungsbedingungen (Grenzgröße möglichst > 6 mag). Auf Teneriffa war ein riesiges, weit über das Gesichtsfeld hinausragendes und blass schimmerndes
Nebelband zu sehen. Der Californianebel erschien dabei so groß, dass er selbst in der Querachse das Gesichtsfeld fast vollständig ausfüllte. Um ihn vollständig zu
erfassen, musste er daher mit dem Teleskop abgefahren werden. Sehr schön war auch sichtbar, dass das Nebelband im Osten konisch zusammenläuft, während es
im Westen in mehreren hauchzarten Filamenten endet. Außerdem waren bei indirekten Beobachtung in Ost-West Richtung elongierte Strukturen zu erkennen.
NGC 2359
(Nagler 9mm, AP = 2,2, O III Filter)
Bei diesem Objekt handelt es sich um den von einem Wolf-Rayet-Stern ausgestoßenen Nebel, der sich unweit des offenen Sternhaufens M 47 in
nordwestlicher Richtung befindet. Er präsentierte sich als eine kleine, aber helle Nebelblase. Auch die beiden in westlicher Richtung ausgeschleuderten Nebelklumpen waren schwach erkennbar.
NGC 2467 = Sharpless 311
(Nagler 9mm, AP = 2,2, O III Filter)
Südöstlich von M 93 im Sternbild Achterdeck (Puppis) liegt diese kleine H II Region. Zu erkennen war eine rundliche, in ein reiches Sternfeld eingebettete
Nebelblase, die bei genauerer Betrachtung dunkle Strukturen erkennen läßt, die ein wenig an den Trifid-Nebel erinnerten.
IC 443
(Nagler 20mm, AP = 5mm, O III Filter)
IC 443 ist ein 50` großer, lichtschwacher Supernovaüberrest, ca 3° südöstlich des offenen Sternhaufens M 35 in den Zwillingen. Bei indirektem Sehen waren knapp
östlich von Eta Geminorium extrem schwache Nebelfilamente zu erahnen. Das Objekt war zunächst nur durch Feeld-Sweeping auffindbar, konnte danach aber
sicher erkannt werden. Da Eta Geminorium die Beobachtung des Nebels störte, erwies es sich als hilfreich, diesen hellen Stern außerhalb des Gesichtsfeldes zu
positionieren, obwohl der Nebel dann nur am Rande des Gesichtsfelds liegt. Strukturen in IC 443 waren nicht erkennbar.
Centaurus A
(Nagler 9mm, AP = 2,2, ohne Filter)
Centaurus A ist eine sehr berühmte, auch bereits mit kleineren Instrumenten gut beobachtbare Radiogalaxie, die jedoch wegen ihrer südlichen Deklination für
Sternfreunde in Mitteleuropa unbeobachtbar ist. Im Teleskop präsentierte sich die ca. 5 Grad nördlich vom Kugelsternhaufen Omega Centauri gelegene Galaxie als
helles, von einem schwachen Halo umgebenes, rundliches Nebelfleckchen. Das markante Staubband war auch zu erkennen, an seinem südlichen Ende erschien es uns breiter.
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