|
Der Refraktor Multi 80 S von Vixen
(veröffentlicht in Sterne und Weltraum 10/1999, S. 886 ff.)
Wer ein handliches Reiseinstrument sucht, der
findet unter den
kurzbrennweitigen Refraktoren oder kompakt gebauten Schmidt-Cassegrain bzw. Maksutov-Spiegelsystemen vielversprechende Kandidaten. Im Bereich von 3 Zoll Öffnung soll im folgenden das von der Fa. Vixen angebotene “Multi 80 S” (80/400mm FH Achromat) vorgestellt werden.
Das “Multi 80 S” (neue
Herstellerbezeichnung: New Planet 80 S) ist aufgrund seiner technischen Spezifikationen als Instrument für verschiedene Anwendungen (Sucher/Leitfernrohr für mittlere Brennweiten/Spektiv) geeignet. So
beträgt die erreichbare Grenzgröße des 80mm Refraktors bereits 11,3 mag - gegenüber einer von 10,3 mag bei 50mm freier Öffnung - und damit sind unter entsprechenden
Beobachtungsbedingungen z.B. die meisten Messierobjekte sichtbar. Die kürzeste Einstellentfernung beträgt ca. 4,3 m und damit ist der Refraktor auch als Spektiv für terrestrische Beobachtungen, z.B. unter Verwendung eines Amiciprismas, sehr gut geeignet. Der größte Pluspunkt ist jedoch die Baulänge von nur 30 cm. Aufgrund dieser extrem kurzen Baulänge ist der kleine Refraktor sehr transportabel und bietet sich daher förmlich als Reiseinstrument an. Der Verwendbarkeit als Leitfernrohr steht zunächst die kurze Brennweite entgegen. In Verbindung mit einem Nachführansatz, z.B. Vixen GA 4 (welcher eine 3fach Barlowlinse beinhaltet), gibt es aber auch hier entsprechende Möglichkeiten der Abhilfe.
Lieferumfang
In
der Grundausstattung wird der zweilinsige Frauenhofer-Achromat mit einem Zenitprisma, einem Okular LV 10mm (1 1/4 Zoll) sowie einem Säulen-Tischstativ und einem Sucherfernrohr (!) 6 x 30 ausgeliefert. Vor allem das zerlegbare Tischstativ - dessen Beine platzsparend in der Säule verschwinden - ist für die spontane Beobachtung z.B. vom Gartentisch aus sehr geeignet. Will man das Teleskop auf einem handelsüblichen Fotostativ montieren, so ist auch dies mittels des vorhandenen Stativanschlußgewindes möglich. Der Okularauszug verfügt über einen 1 1/4 Zoll Anschluß und damit ist eine Verwendung des für diesen Anschluß mittlerweile angebotenen umfangreichen Zubehörs möglich. Ein entsprechender 2 Zoll Anschluß (Steckdurchmesser 50,8mm) wäre jedoch für noch größere Gesichtsfelder wünschenswert (bei der Spektivversion 80 S ist der 2 Zoll Anschluß im übrigen serienmäßig). Das in der Grundausstattung enthaltene LV 10mm Okular (Austrittspupille - AP - 2 mm) erscheint jedoch eine falsche Wahl zu sein, denn bei einer Vergrößerung von 40-fach werden die entscheidenden Vorteile dieser Optik (großes Gesichtsfeld) verschenkt. Ein Okular mit einer Brennweite von 30mm (13fach, AP = 6mm) oder zumindest 20mm (20fach, AP = 4 mm) erscheint die richtigere Wahl zu sein. Einen entsprechenden Okularsatz mit kürzeren Brennweiten könnte sich der Einsteiger später zulegen. Den in der Grundausstattung enthaltenen Sucher halte ich in Anbetracht des Vergrößerungsbereich des Multis 80 S für nicht unbedingt notwendig. Bei meinen USA Besuchen habe ich im übrigen eine Variante des o.g. Teleskops gesehen, die über keinen Sucher verfügte (1). Ferner sei das geringe Gewicht des Teleskops erwähnt. Es liegt bei 6,0 kg einschließlich des Tischstativs, die Optik mit Tubus (ohne Sucher) wiegt nur 1,0 kg (!) und ist somit bei einer Reise leicht im Handgepäck unterzubringen.
Visuelle Beobachtung
Die kurzbrennweitige Fraunhofer-Optik
liefert eine erstaunlich gute Abbildung, so
ist mir z.B. bei der Mondbeobachtung nur ein leichter m.E. ins Violett gehender Farbsaum aufgefallen. Eine gewisse chromatische Aberration muss jedoch bei einem solchen kurzbrennweitigen achromatischen System immer in Kauf genommen werden. Im Mai/Juni 1997 unternahm ich eine Astroexkursion nach
Namibia, neben anderen Instrumenten fand auch das Multi 80 S noch einen Platz im Handgepäck. Meinen ersten teleskopischen Blick auf den Südhimmel warf ich
dann auch durch den Refraktor. Ausgerüstet mit einem WW Okular (30mm Eudiaskopisches Plössl) und einer Austrittspupille von 6 mm stellte ich dann meine Traumobjekte Eta Carinae Nebel und den Kugelsternhaufen Omega
Centauri ein. Beim Eta Carinae Nebel konnten ich neben den vielen hellen H II Gebieten auch viele Dunkelnebel
beobachten und der Kugelsternhaufen Omega Centauri (3,5 mag, 36,3´) wurde bereits teilweise in Einzelsterne aufgelöst. Auch andere Kugelsternhaufen wie beispielsweise M 4 (5,8 mag, 26,3´) oder 47 Tuc (3,8 mag, 30,9´) konnten schon am Rand in Einzelsterne aufgelöst werden. Zum Vergleich sei hier nur der hellste Kugelsternhaufen des Nordhimmels M 13 (5,7 mag, 16,6´) erwähnt, der von Namibia aus nicht unter die erste Wahl bei den Kugelsternhaufen fällt. Ferner seien die Helligkeiten der hellsten Sterne (2) der vorgenannten Kugelsternhaufen genannt: Omega Centauri (11,5 mag), 47 Tuc (11,7 mag) sowie M 4 (10,8 mag). Bei den Gasnebeln zeigte sich z.B. der große Lagunennebel (M 8/NGC 6523) ausgedehnt und strukturreich. Ebenfalls strukturreich erschienen Objekte wie z.B. der Adler- und Omeganebel.
Planetenbeobachtung: Beim Riesenplanet Jupiter
konnten die beiden Hauptwolkenstreifen (SEB und NEB) und bei guter Luft noch weitere Einzelheiten erkannt werden.
Fotographische Leistungsfähigkeit
Das Multi 80 S ist mit einer Brennweite von
400mm und einem daraus resultierenden
Öffnungsverhältnis von f/5 ein lichtstarkes Instrument. Ein Einsatz dieses Instruments für die Astrofotografie bietet sich damit an. Bei einer solchen extrem kurzbrennweitigen Optik muss man natürlich mit Abbildungsfehlern rechnen. Überraschend ist daher, dass die Abbildungsqualität im Randbereich des Kleinbildformats zwar eingeschränkt ist, jedoch die Optik trotzdem durchaus sinnvoll fotographisch einsetzbar ist. Die Abbildung ist so erstaunlich gut, dass sich ein uneingeschränkt fotographisch nutzbares Feld von ca. 22 - 24 mm ergibt. Diese Tatsache ist vor allem für denjenigen interessant, der ein solches Instrument nur gelegentlich für das ein oder andere Astrophoto nutzen will. Perfekte Abbildung (u.a. bis in die Ecken des Kleinbildformates) ist jedoch nur bei den entsprechend teureren Apochromaten (wie beispielsweise dem ED-Apocrhomaten Tele Vue Pronto) zu erwarten.
Verwendbarkeit als Leitfernrohr
Bei einer Teneriffa-Astroexkursion
dienten z.B. zwei Multi 80 S als Leitfernrohre zur Nachführung eines Starfire 130 EDF (Apochromat 130/780mm) bzw. eines Vixen R 200 SS (Newton 200/800mm). Unter Verwendung von Nachführansätzen (Vixen GA 4) haben sich beide Multi 80 S Refraktoren dabei bestens bewährt.
Resümee
Das Multi 80 S ist ein durchaus sinnvolles
Einsteigerteleskop und als
Zweitinstrument für visuelle Beobachtungen, als Sucher oder als Leitfernrohr sehr gut geeignet. Astrofotografisch kann es auch mit gewissen Einschränkungen verwendet werden. Durch die kompakte Bauweise und das geringe Gewicht bietet sich der kleine Refraktor geradezu als Reiseinstrument an, zumal er sich auch in einer kleineren Fototasche gut verstauen läßt. Da in der Grundausstattung bereits u.a. ein stabiles Säulen-Tischstativ enthalten und somit ein sofortiger Beobachtungseinsatz möglich ist, halte ich das Preis-/Leistungsverhältnis für durchaus ausgewogen.
Literaturhinweise:
1. Astronomy, 3/1997 S. 55 ff
2. The Deep Sky Field Guide (Uranometria 2000.0), Willmann-Bell, Inc.
|