|
Das Teleskop VMC 200 L der Firma Vixen
von Michael Hoppe und Sven Wienstein
(veröffentlicht in Sterne und Weltraum 3/2002, S. 74 ff.)
Kompakte Spiegelteleskope sind nach wie vor sehr beliebt, da viele Sternfreunde in lichtverschmutzten Regionen wohnen und
Mobilität daher sehr wichtig ist. Heute hat der Amateur die Qual der Wahl zwischen Schmidt-Cassegrain-Teleskopen, Maksutov-Cassegrain-Teleskopen und anderen kompakten Systemen. Vor kurzem ist ein neues
kompaktes Instrument mit einer interessanten Optik auf dem Astromarkt erschienen, das VMC 200 L (200/1.950mm) der Firma Vixen, das wir in diesem Beitrag vorstellen.
Das VMC 200 L ist kein SC-System, sondern eine Cassegrain-Variante mit einem meniskusförmigen Bildfeldkorrektor. Vom Öffnungsverhältnis (1:9,75) liegt im Bereich der
SC-Teleskope, die meist ein Öffnungsverhältnis von 1:10 haben.
Der weiß lackierte Tubus hat einen Durchmesser von 232mm und ist 535mm lang (einschließlich Okularauszug). Bezüglich seiner Länge reiht sich das Instrument
zwischen einem 20cm SC (230mm x 430mm) und dem Vixen VC 200 L (232mm x 568mm) ein. Das Tubusgewicht (5 kg) liegt unwesentlich unter dem eines
SC-Teleskops (5,1 kg), jedoch spürbar unter dem des VC 200 L (6 kg). Der Tubus hat eine saubere Schweißnaht und keinen Falz. Einer der wesentlichen Unterschiede zu
den SC-Teleskopen ist der 60mm Okularauszug, der 55mm Fokussierweg bietet. Beim fokussieren wird daher das bei SC-Teleskopen übliche Shifting, durch die
Verschiebung des Hauptspiegels vermieden. Der Fokussiertrieb geht gleichmäßig und leichtgängig, bei Bedarf (z. B. Astrofotografie) kann mit der Feststellschraube
arretiert werden. Leider ist in der Grundausstattung nur eine Okularhülse von 1 1/4 Zoll (31,8mm) enthalten, eine 2 Zoll Okularhülse muss extra bestellt werden.
Gleiches gilt für den Kamera-Adapter. Schade, denn beim Vixen Newton R 200 SS ist am identischen Okularauszug mit 1 1/4 Zoll Okularhülse ein T-2 Gewinde vorhanden.
Zum Lieferumfang gehört auch eine Schwalbenschwanzschiene, die sich über die gesamte Tubuslänge erstreckt. Sie ist passend beispielsweise für die GP/GP-DX
Montierung von Vixen. Diese lange Schiene ist vorteilhaft, wenn schweres Zubehör befestigt wird und das Gerät schnell ausbalanciert werden soll.
Wie bei der Fa. Vixen üblich, ist auch das VMC 200 L fotografisch optimiert (volle Ausnutzung des KB-Formats). Daher ist auch der Fangspiegel entsprechend groß
bemessen (75mm). Die vierarmige, mattschwarz lackierte Fangspiegelhalterung ist aus Alu-Guss, daher sehr robust, jedoch sind die Fangspiegelstreben mit 5mm
Materialstärke auch sehr üppig und tragen zu einer entsprechenden Obstruktion (Abschattung des Hauptspiegels) bei. Der Hauptspiegel wird durch massive
Halteklemmen, die 3mm in den Strahlengang hineinragen, gehalten und ist über jeweils drei Zug- und Druckschrauben gut justierbar. Eine angenehme Besonderheit ist jedoch der ebenfalls justierbare Okularauszug.
Die optische Konstruktion erinnert an das Maksutov-Design, wenn auch die Meniskuslinse über die volle Öffnung fehlt. Die das Bildfeld ebnende und
korrigierende Meniskuslinse wurde bei diesem System im Blendrohr des Fangspiegels angebracht.
Der serienmäßige Sucher 6 x 30 ist zwar in Ordnung, jedoch für ein 20cm Instrument unzureichend. Ein entsprechend größerer Sucher, z.B. 7 x 50, wäre der optischen
Leistungsfähigkeit des Hauptinstruments angemessener. Wir haben den 6 x 30 gegen einen 7 x 50 WW Sucher (Finder) ausgetauscht. Die Besonderheit des
“WW-Suchers” ist das eingebaute 30mm LV Okular (2 Zoll Okular) mit 8,3° Gesichtsfeld und dem angenehmen Augenabstand.
Visuelle Beobachtungen
Zur Beurteilung der visuellen Leistungsfähigkeit wurde das Instrument auf eine Losmandy G 11 Montierung gesetzt. Hierzu musste die GP/GP-DX
Befestigungsschiene abgenommen werden und die Montage über Rohrschellen erfolgen. Erfreulicherweise passen die Rohrschellen für das Newton Teleskop R 200
SS (200/800mm) von Vixen auch an das VMC. Der leichtgängige Okularauszug zeigte bei nicht angezogener Klemmschraube, ein ganz geringes Spiel, welches aber kaum
störte. Bedingt durch den offenen Tubus kommt es zu einem schnellen Temperaturausgleich, ein weiterer Pluspunkt für das VMC 200 L.
Einige visuelle Beobachtung sollen im folgenden kurz geschildert werden: Beobachtet wurde unter Landhimmel bei einer visuellen Grenzgröße von 5,5 bis 5,7 mag und unter Mittelgebirgshimmel (6,0 bis 6,3 mag).
Planeten
Trotz der erheblichen Obstruktion, ist die visuelle Leistungsfähigkeit überraschend gut. Die Optik zeigte z.B. den Saturn (ca. 15-20° über dem Horizont) mit der
cassinischen Teilung und einem Wolkenstreifen, der sogenannten Bauchbinde. Mars, der sich ebenfalls in Horizontnähe befand, zeigt eine Polkappe und zarte
Oberflächendetails. Für den ambitionierten Planetenbeobachter gibt es natürlich besser geeignetere Instrumente (Schiefspiegler, Refraktor, visuell optimierter
Newton etc.), aber für ein “Allround-Instrument” ist die Abbildung erstaunlich gut.
Deep-Sky Objekte
Bei einigen lichtschwachen, großflächigen Objekten machte es sich störend bemerkbar, dass die maximale Austrittspupille (AP) bei Verwendung des Okulars
LVW 42mm nur 4,3mm beträgt. Im Vergleich mit dem lichtstarken Newton-Teleskop R 200 SS von Vixen erschienen manche dieser Objekte, wie beispielsweise IC 5067,
daher sehr lichtschwach. Bei kleineren H II Regionen und den meisten Galaxien, die naturgemäß nicht mit der maximalen AP beobachtet werden, war kein Unterschied
zum R 200 SS erkennbar. Im Vergleich mit einem guten SC-Teleskop war der Unterschied in der Abbildungsleistung auch nur unwesentlich. Einige Beispiele:
Nordamerika- und Pelikannebel (NGC 7000 + IC 5067)
Der Nordamerikanebel sprengte das Gesichtfeld des LVW 42mm Okulars, konnte jedoch gut “abgefahren” werden. Eindrucksvoll erschien “Florida” bzw. der “Golf
von Mexiko”, aber auch der schwächere Pelikannebel war direkt beobachtbar. Hier wurde ein O III Filter verwendet.
Crescent-Nebel (NGC 6888)
Per Starhopping ausgehend von y Cygni, über den Sternhaufen M 29 konnte die markante Sternformation und der schwache Nebel ausgemacht werden (LVW 42mm
+ O III Filter). Erst bei längerer Beobachtung wurde indirekt auch die typische sichelartige Form erkennbar.
M 56 (KStH)
Dieser relativ schwache Kugelsternhaufen in der Leier konnte in den Randbereichen in Einzelsterne aufgelöst werden.
Sombrerogalaxie (M 104)
Hell, mit gut erkennbarem Staubstreifen und großem Bulge, bester Anblick mit einem 9mm Nagler Okular.
NGC 4762 (Gx) / NGC 4754 (Gx)
Ein schönes, unmittelbar benachbartes Galaxienpaar, das gemeinsam im Gesichtsfeld beobachtet werden konnte (LVW 22mm Okular). Ein hübscher Anblick!
NGC 4762 zeigte sich als eine längliche Edge-On-Galaxie eingerahmt von drei 9,5 bis 11 mag hellen Sternen, während NGC 4754 oval mit sternförmigem Kern erschien.
NGC 4845 (Gx)
Bei direkter Beobachtung schwierig erkennbare SBc Galaxie, bei indirekter Beobachtung gut erkennbar, länglich.
NGC 4565 (Gx)
Ein absolutes Highlight, eine wunderschöne, nadelförmige Edge-On-Galaxie mit Staubstreifen. Mit dem LVW 22mm Okular betrachtet füllte die Galaxie ca. ein Drittel des Gesichtsfeldes.
Eskimonebel (NGC 2392)
Dieser bekannte planetarische Nebel erschien hell und rund, der Zentralstern war gut sichtbar, das “Eskimogesicht” jedoch nicht.
Astrofotografie
Aufgrund des Öffnungsverhältnisses von1:9,75 ist das VMC im Bereich Deep-Sky Fotografie
kein schnelles Instrument. Wer jedoch hochempfindliches Filmmaterial verwendet oder längere Belichtungszeiten nicht scheut, kann das auskorrigierte ebene Bildfeld gut nutzen. Vignettierung konnte bei den
Aufnahmen nicht festgestellt werden. Nur in den äußersten Bildecken sind ganz geringe Abbildungsfehler vorhanden. Helle Paradeobjekte können selbstverständlich auch
mit kürzeren Belichtungszeiten eindrucksvoll ins Bild gesetzt werden, zumal das VMC eine lange Brennweite von 1.950mm besitzt. Einen passenden Telekompressor (Focal-Reducer,
Shapleylinse), gibt es leider derzeit für das VMC von Vixen nicht. Der für das Cassegrain VC 200 L angebotene Telekompressor 1:6.4
ist nicht zu empfehlen, da er beim VMC 200 L eine deutliche Vignettierung und sehr deutliche Abbildungsfehler außerhalb der optischen Achse verursacht.
Auch für Freunde der Planeten- und Mondfotografie ist das VMC interessant, obwohl es natürlich kein optimales Instrument für diesen Bereich ist. Der Vorteil der
kompakten Bauweise macht sich jedoch auch hier positiv bemerkbar, da man das Instrument sehr leicht transportieren kann, um Beobachtungsplätze mit besserem
Seeing aufzusuchen. Bei der Fotografie von Mond und Planeten hat sich bei der Okularprojektion auch der Projektionsadapter von Vixen bewährt, da er nicht einfach
geklemmt, sondern ordentlich mit dem Okularauszug verschraubt wird und sehr stabil ist.
ZUSATZ: SEIT 2006 ist ein Reducer/Bildfeldebener von Vixen für das VMC 200 und auch für den größeren Bruder das VMC 260 erhältlich!
Die Nachführung des Instruments bei Langzeitbelichtungen kann, dank des Okularauszugs entweder mit einem Off-Axis-Guider oder auch einem Leitfernrohr
erfolgen. Im Gegensatz hierzu hat der SC-Besitzer kaum eine Wahl, da eine sinnvolle Nachführung länger belichteter Aufnahmen nur mit einem Off-Axis-Guider möglich ist.
Fazit
Das Vixen VMC 200 L ist ein gut verarbeitetes, ordentliches “Allround-Instrument” und ist gut für fotografische Anwendungen geeignet. Gerade für einen mobilen
Einsatz kann es wärmstens empfohlen werden. Bei visuellen Beobachtungen konnte das Instrument überzeugen. Im Vergleich mit SC-Teleskopen konnte das VMC 200 L
bei der visuellen Beobachtung aufgrund des schnelleren Temperaturausgleichs und des stabilen Okularauszuges Pluspunkte sammeln. Der für ein solches Instrument
relativ günstige Preis (ca. 2.600,- DM) macht es sehr attraktiv, zumal das Instrument auch auf einer kleineren (kostengünstigeren) Montierung, z.B. auf einer GP
Montierung von Vixen installiert werden kann. Für den fotografischen Einsatz sollte jedoch eine steifere Montierung verwendet werden, etwa eine GP-DX von Vixen,
eine Losmandy GM 8 oder eine andere vergleichbare Montierung.
|