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Williams Optics Zenitstar 80 Fluorit
von Michael Hoppe
(veröffentlich in Sterne und Weltraum, SuW 12/2006, S. ff.)
Kurzbrennweitige 80mm Refraktoren sind aufgrund ihrer Abmessungen und ihres Gewichts sehr beliebt. Dies trifft insbesondere auf apochromatische Refraktoren zu,
denn bei diesen wird der Beobachtungsspaß nicht durch Farbfehler eingeschränkt. Solche „High End“ Refraktoren, die natürlich ihren Preis haben, werden von
verschiedenen Herstellern angeboten (u. a. von Vixen, TMB, Tele Vue usw.). Seit Anfang 2006 ist das Jubiläumsteleskop der Firma William Optics erhältlich. Zu einem
wirklich interessanten Preis wird hier ein 2-linsiger Apochromat mit 80mm freier Öffnung und 550mm Brennweite angeboten. Dieses Teleskop habe ich im Folgenden etwas näher unter die Lupe genommen.
Zum 10. Jahrestag hat die Fa. Williams Optics einen 80mm Refraktor mit einem 2-linsigen apochromatischen Objektiv herausgebracht. Die Optik wurde u. a. nach den
Angaben auf der Herstellerseite im Internet (1) zusammen der bekannten Optikschmiede TMB entwickelt. Dieser Refraktor erweitert die bereits bestehende
Teleskoplinie „Zenitstar“ von Williams Optics um einen 80mm Apochromaten. Nach Rücksprache mit der Firma Teleskop Service Wolfgang Ransburg GmbH (2) wurde mir
dieses Teleskop in der Standardausführung für diesen Erfahrungsbericht zur Verfügung gestellt. Sehr gespannt war ich, ob dieses Teleskop optisch und
mechanisch den hohen Anforderungen an einen Apochromaten genügen würde.
Lieferumfang
Der Williams Optics (WO) Zenitstar 80 Fluorit kam bei mir gut verpackt an. In zwei Kartons mit reichlich Schaumstoff verpackt befand sich der Koffer des Zenitstar
Refraktors. Dieser zum Standardlieferumfang gehörende Aluminiumkoffer (450 x 320 x 160mm) ist schaumstoffgepolstert und bietet auch Platz für Okulare und weiteres
Zubehör. Im diesem Koffer befand sich, dem Anlass entsprechend in Geschenkfolie und Geschenkband eingepackt, das Teleskop und eine 2-Zoll Verlängerungshülse.
Der Tubus ist rot und hochglänzend lackiert. Ich hatte daher beim Auspacken das Gefühl, hier eher ein Designerstück als ein Teleskop in Händen zu halten. Das
Teleskop wirkt fast zu schade für den „harten“ Astroeinsatz. Ein vergleichbares Finish ist mir nicht bekannt und macht den 80iger WO schon zu einem besonderen
(Jubiläums-)Teleskop. Mir gefällt die Ganzmetallausführung des Teleskops. Kunststoffteile sind nicht zu finden. Nachteilig ist dadurch nur das Gewicht des
Teleskops (2,3 kg), was sich jedoch immer noch im Rahmen des zulässigen Handgepäcks hält und der Reisetauglichkeit damit nicht schädlich ist. Die
Taukappe/Gegenlichtblende ist einschiebbar und verkürzt die Baulänge des Teleskops auf 380mm. Gelungen ist auch der 2-Zoll Crayford Okularauszug mit einer
1:10 Untersetzung, der eine besonders feinfühlige Fokussierung erlaubt. Gerade für die Astrofotografie mit CCD oder DSLR Kameras ist eine solche Fokussierung mit
Untersetzung anzuraten. Die Klemmung erfolgt im Bedarfsfall über eine Schraube an der Unterseite. Sinnvoll ist auch die 360° Rotationsmöglichkeit des Okularauszugs. Je
nach Position des Teleskops kann der Okularauszug damit in eine angenehmere Position gebracht werden. Auf dem Okularauszug findet sich auch eine Skalierung, die auf 1mm genau ist.
Die beigefügte 2-Zoll Verlängerungshülse war bei allen Beobachtungen zwingend notwendig. Dies trägt dies zu der kurzen Baulänge von nur 380mm bei. Aus
Steifigkeitsgründen wäre jedoch ein zusätzlich einsetzbares Tubusstück oder ein Schiebetubus besser geeignet gewesen. Ein Schiebetubus ist beispielsweise bei
einigen apochromatischen Refraktoren der Fa. TMB zu finden.
Visuelle Beobachtung
Der erste Blick galt einem hellen Stern um etwaige Abbildungsfehler festzustellen. Dafür wählte ich Prokyon im Sternbild „kleiner Hund“ und Pollux in den „Zwillingen“
aus, da es sich um einen Stern 1. Größe handelt. Im Fokus waren beide Sterne nadelscharfe Punkte mit einem Beugungsring ohne jegliche Spur von Astigmatismus.
Infrafokal erschien das Beugungsbild rötlich-gelblich und extrafokal grünlich-violett. Im Fokus war bei beiden Sternen kein Farbfehler festzustellen.
Das nächste Objekt für den Test des möglichen Farbfehlers war danach der 11 Tage alte Mond. Der Mond erschien absolut weiß und kontrastreich, insbesondere der Blick
auf den Terminator machte viel Spaß. Beim gewissenhaften und nachhaltigen Blick auf den Mondrand konnte ich jedoch einen ganz schwachen minimalen gelben Saum
feststellen. Gegenüber meinem Tele Vue Pronto, einem ED-Apochromaten, fällt dieser Farbfehler jedoch wesentlich geringer aus.
Die folgenden Beobachtungen machte ich mit dem WO Zenitstar unter meinem heimischen Himmel bei einer Grenzgröße von 5,0 bis 5,3 mag und durchschnittlichem Seeing.
Doppelsterne und Mehrfachsterne
Nach der Theorie berechnet sich für einen Refraktor mit Objektivdurchmesser D gemäß (3) das Auflösungsvermögen bei der Wellelänge 555nm wie folgt:
A = ( 555 / D x 206265“) x 1,22 (Multiplikation mit dem Faktor 1,22 nach Airy)
Demnach also 1,745 Bogensenkunden für den 80iger WO.
Als erster Doppelstern bot sich der Hauptstern der „Zwillinge“ Castor (a Gem) an. Beide Doppelsternkomponenten (1,9 und 2,9 mag) erschienen nadelförmig und mit
breitem schwarzem Zwischenraum im 5,2mm Pentax XL Okular bei rund 107facher Vergrößerung. Der Abstand der Komponenten mit 3,9 Bogensekunden ist jedoch kein
wirklicher Test für einen Refraktor mit 80mm Objektivdurchmesser.
Als „richtigen“ Testkandidaten suchte ich mir daher im Sternbild Luchs (lat. Lynx) den Stern 12 aus. Der Doppelstern besteht aus zwei Sternen mit 4,9 und 7,2 Magnitudo
Helligkeit bei 8,9 Bogensekunden Abstand. Der hellere Doppelsternpartner ist jedoch wiederum doppelt mit Helligkeiten von 5,4 und 6,0 mag bei einem Abstand von nur
1,85 Bogensekunden (4). Die Hauptkomponente war natürlich problemlos trennbar. Die Komponenten des helleren Doppelsternpartners erschienen zeitweise getrennt
mit ganz minimalem dunklem Zwischenraum. Diese erfolgreiche Trennung des Doppelsterns liegt dabei schon recht nahe an der obigen theoretischen Grenze und ist somit schon bemerkenswert.
Ferner schaute ich mir den Stern 51 im Sternbild Bärenhüter (lat. Bootes) an. Die Hauptkomponente (4,3 und 6,5 mag) mit einem Abstand von 108,8 Bogensekunden ist
wiederum leicht zu trennen. Allerdings ist der lichtschwächere Doppelsternpartner wiederum doppelt. Die Komponenten stellten mit Helligkeiten von 7,0 und 7,6 mag bei
einem Abstand von 2,2 Bogensekunden kein Schwierigkeit für den WO Zenitstar dar. Die Trennung erfolgte problemlos und konnte auch längere Zeit gehalten werden. Auch ein Zwischenraum war jederzeit sichtbar.
Planeten
Der Ringplanet Saturn zeigte die bekannte cassinische Ringteilung, die fast umlaufend beobachtbar war. In den Ansen war die Ringteilung besonders deutlich
und nur direkt vor und hinter der Planetenscheibe nicht sichtbar. Auch der Hauptwolkenstreifen (Bauchbinde) zeigte sich. Farblich erschien Saturn leicht gelblich gefärbt.
Jupiter zeigte Strukturen im nördlichen und südlichen Äquatorialband (NEB und SEB) sowie weitere Wolkenstreifen in der nördlichen und südlichen Hemisphäre des
Planeten. Selbstverständlich waren auch die vier Jupitermonde zu sehen.
Deep Sky
M 35 und NGC 2158
Der offene Sternhaufen „M 35“ in den Zwillingen präsentierte sich im 31mm-Nagler-Okular bei nur 18facher Vergrößerung wie im Feldstecher, der
Haufencharakter war bei dem großen Feld sehr deutlich. Der kleinere und schwächere Sternhaufen NGC 2158 war jedoch nicht aufgelöst und nur als Nebelfleck
sichtbar. Im 9mm-Nagler-Okular (62fach) blieb der Haufencharakter erhalten und der Anblick gefiel mir sogar noch besser als im 31mm-Nagler.
NGC 2174/5
Der Emissionsnebel blieb mit dem 31mm-Nagler-Okular ohne Filter unsichtbar. Mit UHC und O III Filter war der Emissionsnebel jedoch direkt als runder Nebelfleck
auszumachen. Gleiches gilt die Beobachtung mit dem 22mm-LVW-Okular (25fach). Mir gefiel der O III auch bei der relativ kleinen Öffnung des Zenitstar Refraktors besser, da
sich der Nebel kontrastreicher vom Himmelshintergrund abhob. Der UHC Filter zeigte zwar mehr Sterne, aber den Nebel nicht so deutlich.
M 44
Auch der offene Sternhaufen „M 44“ im Sternbild Krebs präsentierte sich, aufgrund der geringen Vergrößerung („Feldstecher-Vergrößerung“) im 31mm-Nagler-Okular
von nur 18fach prächtig. Bei Platzierung von M 44 in eine Ecke des Gesichtsfeldes war sogar Saturn gleichzeitig beobachtbar, ein wirklich schöner Anblick! Nachteilig ist
nur die Abbildung im Randbereich, hier zeigten sich im 31mm-Nagler-Okular die Sterne nicht mehr als Punkte, sondern verzerrt. Im 22mm-LVW-Okular war der
Haufencharakter von M 44 auch noch gut erkennbar. In meinem 10 Zoll Newton ist M 44 hingegen kein dankbares Objekt, hier ist der Refraktor eindeutig im Vorteil.
M 65/66 und NGC 3628
Das Galaxientrio wirkte im großen Gesichtsfeld des 31mm-Nagler Okular fast verloren. Wie auch im 22mm-LVW und 9mm-Nagler-Okular waren die Galaxien jedoch
deutlich sichtbar. M 65 und 66 zeigten eine ovale Form mit hellerem Kern, ansonsten strukturlos. NGC 3628 erschien länglich und deutlich lichtschwächer als M 65 und 66.
M 13
Der größte und hellste Kugelsternhaufen des Nordhimmels erschien größer und beeindruckender als erwartet im 31mm-Nagler-Okular. Die wahre Pracht zeigte er
jedoch bei 107facher Vergrößerung im Pentax-XL 5,2mm-Okular: M 13 löste sich, vor allem in den Randbereichen, in Einzelsterne auf. Ein wirklich erstaunlicher Anblick für einen 80mm Refraktor!
Astrofotografie
Bei dem Zenitstar 80 handelt es sich um einen relativ lichtstarken apochromatischen Refraktor (f/6,9), der sich damit grundsätzlich gut für die Astrofotografie eignet.
Bauartbedingt ist die Abbildung von Refraktoren außerhalb der optischen Achse durch die sogenannte Bildfeldwölbung eingeschränkt. Dieser Abbildungsfehler führt
dazu, dass bei einem großen Chip (CCD, digitale Spiegelreflexkameras etc.) oder bei einer konventionellen Spiegelreflexkamera in den Randbereichen der Aufnahme die
Sterne nicht mehr punktförmig abgebildet werden. Die Sterne zeigen sich dann in den Randbereichen als Striche, die zum Zentrum des Bildfeldes zeigen. Auf der optischen
Achse, also im Zentrum des Bildfeldes, tritt dieser Fehler nicht auf. Um diese Bildfeldwölbung zu korrigieren, bieten verschiedene Hersteller sogenannte
Bildfeldebnungslinsen (engl. Flattener) an. Oft sind diese Flattener mit einer Brennweitenreduzierung (engl. Reducer) verbunden, um die Lichtstärke und damit
verbunden die Belichtungszeit zu reduzieren. Daneben wird das Aufnahmefeld durch die geringere Brennweite vergrößert. Die Firmen Tele Vue und Williams Optics bieten
beispielsweise solche Kombinationen aus Flattener und Reducer an.
Der 0,8fach Reducer / Flattener von Williams Optics verkürzt die Brennweite auf 444mm und das Öffnungsverhältnis auf f/5,5. Leider ist dieser Flattener nicht speziell
für die Jubiläumsausgabe des WO Zenitstar gerechnet. Bei meinen Testaufnahmen mit meiner modifizierten Canon 20 D, die über einen Chip im APS-Format verfügt, trat
daher in den Ecken immer noch Bildfeldwölbung auf.
Auch die Tele Vue 0,8fach Reducer / Flattener für 400-600mm („S“) bzw. 800-1.000mm („L“) Brennweite lieferten bei meinen Testaufnahmen in den Ecken keine wirklich
absolut befriedigende Abbildungsleistung. Natürlich sind auch diese Reducer / Flattener ebenfalls nicht speziell für den WO Zenitstar gerechnet. Die Version für
400-600mm Brennweite lieferte noch das beste Bild, jedoch gelang auch hiermit keine 100%ige Korrektur der Bildfeldwölbung. Nur mit einem Kompromiss konnte ich die
punktförmige Sternabbildung auf das gesamte Bildfeld ausdehnen: Hierzu habe ich auf einen Stern, der sich etwa in der Mitte zwischen Zentrum und Rand des Bildfeldes
befand, fokussiert. Leider geht damit die Schärfeleistung insgesamt zurück, jedoch sind die Sterne mit dieser Methode auch in den Ecken punktförmig.
Nur mit dem für das Tele Vue Pronto bzw. den Tele Vue Ranger Apo-Refraktor gedachten und gerechneten Flattener von Tele Vue war die Schärfeleistung auch im
Randbereich sehr gut. Allerdings verursacht der achromatische Flattener von Tele Vue einen leichten Farbfehler, helle Sterne zeigten daher einen bläulichen Hof. Ferner
handelt es sich nicht um einen Reducer. Im Gegenteil, der Flattener bewirkt sogar eine geringfügige Brennweiteverlängerung. Der Faktor beträgt 1,09, d.h. die
Brennweite verlängert sich bei dem Zenitstar auf rund 605mm bei einem Öffnungsverhältnis von f/7,5.
Zusammenfassend ist daher zu sagen, dass die fotografische Eignung des Zenitstar hierdurch eingeschränkt ist. Nach meinen Erfahrungen würde ich, wenn der leichte
Farbfehler und die Brennweitenverlängerung nicht stört, die Kombination Zenitstar und Pronto / Ranger Flattener von Tele Vue empfehlen. Der Vorteil dabei ist auch der
relativ günstige Preis für den Flattener von nur ca. 110,- EURO.
Fazit
Der Williams Optics Zenitstar 80 Fluorit ist ein mechanisch und optisch sehr empfehlenswerter apochromatischer Refraktor, der viel Freude bereiten kann. Die
Optik, die nadelfeine Sterne zeigt, und die so gut wie farbreine Abbildung machen aus dem Zenitstar 80 ein kleines Hochleistungsgerät. Optimal geeignet für den schnellen
Einsatz und insbesondere auch als Reisegerät. Die Mechanik mit einem 360° Rotationsokularauszug sowie die Untersetzung ist gut durchdacht und hat einen
hohen Praxiswert. Das Finish ist einzigartig. Das visuell überzeugende Instrument ist fotografisch jedoch nur mit Einschränkungen zu gebrauchen. Falls der Schwerpunkt
bei der Astrofotografie liegt, gibt es allerdings bessere Alternativen. Beispielsweise hat der Pentax 75 SDHF (75/500mm Apochromat) eine perfekte Bildfeldebnung durch
die bereits eingebaute Bildfeldebnungslinse. Die Fokallage beim Pentax 75 SDHF ist allerdings sehr knapp, daher ist bei der visuellen Beobachtung der WO Zenitstar im Vorteil.
Der Preis für den WO Zenitstar 80 Fluorit von 1.048,- EURO (Stand April 2006), incl. des Koffers und der 2-Zoll Verlängerungshülse, ist sehr attraktiv. Ich bin daher überzeugt,
dass der Refraktor viele Freunde finden wird.
Literaturhinweise:
(1) Website der Fa. William Optics, www.william-optics.com
(2) Website der Fa. Teleskop-Service, www.teleskope-service.de
(3) Wolfgang Paech, Thomas Baader, Tipps & Tricks für Sternfreunde, Verlag Sterne und Weltraum
(4) Erich Karkoschka, Atlas für Himmelsbeobachter, 3. Auflage, ISBN 3-440-07488-9
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